Roman Libbertz

Die Liebe zu erklären ...

Vorwort:

Die Bitte um Nachsicht bei den Lesern, wird durch die Tatsache des Vorliegens dieses Schriftstückes Lügen gestraft! Dieses Werk wird nicht den geringsten Erfolg haben und man wird es nicht grundlos unverständlich finden. Durch das Verfassen eines Vorwortes und einer Einleitung sollte Klarheit geschaffen werden und Gedanken klarer zu erfassen sein. Und trotzdem werden unter hundert Lesern keine vier Dieses verstehen..
Jenes schmale Manuskript handelt von der Liebe und ist doch kein Roman und vor allem nicht so unterhaltsam wie ein Roman. Es ist nichts weiter als eine detaillierte, wissenschaftliche Beschreibung einer besonderen Art von Verrücktheit.
Sosehr ich mir Mühe geben werde, klar und verständlich zu schreiben, werden keine Wunder vollbracht. Tauben kann nicht das Gehör wiedergegeben werden, noch Blinde sehend machen. Alle Menschen, die nie in ihrem Leben unglücklich waren, und zwar nicht aus den Gründen persönlicher Etikette oder Eitelkeit, oder welche, die es nicht gern sehen, dass über die "geklatscht" wird, bitte ich: Schlagt diese Seiten nicht auf!
Mir ist sicher, dass diese Zeilen alle den Frauen missfallen werden, die um jeden Preis eine Rolle spielen wollen und nach Beachtung streben. Viele dieser Damen ertappte ich des öfteren im Gespräch über Gefühle an den Punkt kommend, an dem sie nicht mehr reinen Gewissen sagen konnten, ob ein Gefühl empfunden oder nur aufgesetzt war. Wie könnten diese Menschen, die Schilderung echter Empfindungen beurteilen. Sie werden dieses Schriftstück abtun und sehr darüber in Rage geraten.
Peinlich muss einem die Erinnerung an gewisse Handlungen in der Jugend sein; Dummheiten begangen zu haben aus empfindsamen Herzen und darüber am Boden zerstört sein, nicht weil man vor der Öffentlichkeit sein Gesicht verloren hat, sondern vor einer einzelnen Person.
Mit ganzen Herzen eine Frau lieben, die einen Anderen liebt oder beim Betreten eines Lokals, in dem sich eine Frau aufhält nur darauf bedacht zu sein in ihren Augen zu lesen, was sie über einen denkt, anstatt seine Gefühle zu offenbaren. Dies sind nur einige, aber wichtige Voraussetzungen, die am Anfang dieser Seiten vom Leser erwartet werden.
Das, was nun folgt, erklärt sachlich, verstandesmässig, sozusagen mathematischdetailliert den Vorgang der verschiedenen Empfindungen, deren Gesamtheit die Leidenschaft, die Liebe genannt, darstellt. Man stelle sich eine komplizierte geometrische Figur vor, die mit weisser Kreide auf einer grossen Tafel gezeichnet ist, wobei diese Tafel bereits existent sein muss.

Den Rahmen ebenfalls zu umfassen, würde es zu schwierig machen, sich nicht eines Romans zu bedienen. Damit der Leser mit Interesse dieser Untersuchung über dieses Erlebnis folgen kann, ist noch etwas nötig, ausser dem Geist: Er muss die Liebe gesehen haben, jedoch wo kann man eine Leidenschaft sehen?. Dies bildet den Grund für die Unverständlichkeit, die wir nie beheben können werden.
Die Liebe ist sehr ähnlich mit der Milchstrasse, hoch am Firmament, jener schimmernden Anhäufung von Sternen, gebildet aus Tausenden von kleinen Gestirnen, von denen jedes Einzelne oft nur ein Nebenfleck ist. In bedeutenden Filmen findet an die vier oder gar fünfhundert dieser einzelnen, schwer erkennbaren Gefühle., doch verstanden werden oft nur die Allergrössten. Wie könnte man schon die Liebe aus Filmen kennen. Wem ist damit geholfen, dass man sie aus aberhundert Filmen kennt, ihr aber nie selbst begegnet ist? Wem ist damit geholfen , in diesem Manuskript die Erklärung für diesen Wahnsinn suchen zu wollen?
Junge Frau, betrogen und enttäuscht, willst du noch einmal atmen, was vor einigen Jahren all deine Sinne einnahm, was du niemandem zuvor sagen konntest, was dich beinahe dein Gesicht verlieren liess? Für Dich habe ich dies hier geschrieben und mich angestrengt, es klarer zu fassen. Kein Film, kein Roman, mag er noch so leidenschaftlich zu verstehen sein, wird nicht derart zur Klärung gereichen, wie ein philosophisches Buch, in dem der Verfasser kühl die verschiedenen Phasen der Krankheit, Liebe beschreibt.
Ich schreibe nur für wenige Leser und nur für unglückliche, liebenswerte, reizende Menschen, keine Heuchler oder ohne Moral. Für diese Menschen möchte ich schreiben, auch wenn ich mit Mühe nur zwei bis drei, dieser Art in meinem Leben traf.

Sind sie aus Liebe schon einmal ein halbes Jahr unglücklich gewesen, möchte ich jeden fragen der dieses Schriftstück lesen will. Oder ist ihrer Seele in ihrem Leben noch kein anderes Unglück geschehen, als über einen Prozess nachzudenken, oder, dass bei der letzten Wahl nicht ihr Wunschkandidat ernannt wurde ...

Mein Versuch über die Liebe konnte seinen Wert erst durch die Schilderung der vielen feinen Gefühlsschattierungen erhalten, und ich bitte den Leser, ihre Korrektheit an seinen eigenen Erinnerungen zu prüfen, falls er sie hat.......


Die Tante

Wir waren ganz alleine im Hause meiner Freundin. Ich beschloss mich einem Fussballspiel zu widmen, wozu ich mich auf die Couch legte und den Fernseher anstellte. Freude auf einen Abend des stupiden Fernsehgenusses ohne jegliche Regung. Kaum flimmerte die Mattscheibe, hörte ich die Schritte der Tante im Korridor. Die Tür öffnete sich und sie fragte, was ich vorhätte. Als ich meine Fernsehplanung kundgetan hatte, seufzte sie und liess mich erkennen, dass sie gerne etwas anderes sehen würde. Da ich mich im Hause der Eltern meiner Freundin befand und ich der Meinung war, dass mir sicherlich weniger Entscheidungsrecht über den Fernseher zustand, bot ich an mir das Spiel in einem der oberen Zimmern anzuschauen. Sie ging nicht darauf ein und verschwand in der Küche. Fünf Minuten rollte der Ball bereits, als wieder eine Frage an mein Ohr drang in der Art von:“ Möchtest Du einen Cappuccino“. Ich verneinte und ehrlich gesagt begann ihre Anwesenheit meine Nerven in Spannung zu setzen. Drei lange Stunden waren bis zur Rückkehr der gesamten Familie zu überstehen. Die Kaffemaschine tönte trotzdessen laut und ich musste den Fernseher mit dem Lautstärkebalken füllen, um etwas zu verstehen Einige Male fuhr ich mir energisch durch das Haar. Als der Kaffe durchgelaufen war und das gesamte Wohnzimmer eine Note von aromatisiertem Kaffe einnahm folgten meine Augen erneut dem Ball, als die Tante sich auf die andere Couch rechts seitlich hinter mir setzte, ein Ort der von meiner Position uneinsichtbar war.

Das Spiel plätscherte so vor sich hin, bis mein Harndrang sich meldete. Ich musste auf Toilette und gab meinem Bedürfnis nach weiteren Minuten endlich nach. Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer erblickte ich die Videokamera meiner Freundin auf dem Esszimmertisch. Ich wusste, dass auf dem eingelegten Band noch unser Urlaub vom vorigen Jahr aufgezeichnet war, also tat ich mir einen Gefallen und schwelgte, nachdem ich Play gedrückt hatte, durch den kleinen Monitor etwas in Erinnerungen. Die Zeit verging oder rann, bis die Tante mich fragte, ob ich das Spiel weiter verfolgen wollte oder ob sie nun umschalten konnte. Sie sagte dies nicht in einem aggressiven Ton, unerklärlicherweise schien meine gereizte Stimmung schlagartig zurückzukehren. So gab ihrer Bitte nach, auch da bereits Halbzeitpause war und sie mir versicherte, in 15 Minuten wieder sehen zu können wonach mir war, und sie ohnehin müde schien. Die Uhr schlug 23 Uhr, noch 2 Stunden.


Erlebnisgastronomie

In einer Zeit in der man nur noch lebt, damit man täglich robotten geht, muss man sich einiges einfallen lassen um die Menschen vor die Tür zu treiben. Wir schreiben ,in etwa das Jahr 2000. In München ist das bereifte Statussymbol, vornehmlich die Marke mit dem garantierten Aufriss, der Porsche, nur noch mit einem Leasingvertrag zu unterhalten. Die Bars, Restaurants und Cafes sind in einen gähnenden Zustand versetzt. Den Betreibern von grossen Instiutionen der Stadt läuft das Erbrochene bröckchenweise aus dem Mund. Pornovideotheken müssen bereits mittags ihre Türen schliessen, da alle Filme verliehen sind. Herr Mooshammer erwägt eine Trennung von Daisy und ganz München bestätigt seinen Ruf als Hochburg der Selbstbefriedigung. Die Fersehbeteiligung ist so hoch wie vor dem angeblichen Krieg um 1943, nicht mehr und Arbeitslosigkeit wird zur Lebensaufgabe.Wie gut dass es da etwas gibt, das alle freut und jeder lacht:
Die Erlebnisgastronomie.

Es ist erstaunlich wieviele Spitzenköche plötzlich aus dem Boden schiessen von denen früher niemals, auch nur jemand einen kannte der einen kannte, der den kannte. Bereitet es nicht einen Heidenspass, dass das Geld nur so aus dem Umhängeportemaine entschwindet, ohne etwas zu bemerken? Darauf haben alle gewartet. Man geht gemeinsam zum Essen, vornehmlich die übelsten Gerichte adrett serviert, und braucht sich nicht mehr den ganzen Abend nicht mit seinen Tischnachbarn zu unterhalten. Unter ohrenbetäubendem Lärm wird uns hier geboten was keiner braucht. Ein Clown der sich über fettleibige Menschen lustig macht, während man seinen eigenen Speckgürtel nährt. Die Verrenkungen eines, elf Jahre in den Keller gesperrten Kindes. (Wen man nichts zu tun hat kommt man zangsläufig auf solche Sachen). Trommelnde Chinesen, die seit den "drei mit dem Kontrabass" schon bescheiden waren und eine Dekoration, die jeder sofort aus seiner Wohnung verbannen würde. Zum Glück ist das Spektakel nach vier Stunden zu Ende und man freut sich bereits auf die kaum deutsch sprechende Kassiererin im Burger King. Die Erlebnisgastronomie ist die zündende Idee in einer Zeit in der Gina Wild Schauspielerin ist..
Gute Nacht


Happy Valentinesday

Sie waren das perfekte Paar. Vom Kennenlernen bis zum Einzug in die gemeinsame Wohnung vergingen kaum mehr als zwei Monate.
Fast alles unternahmen sie gemeinsam und bildeten ein sehr ausgeglichenes Team. Sie verband ein so starkes Band, dass es selbst für ihre Umgebung unweigerlich feststand: Sie hatten das Glück für sich gepachtet.
Sicherlich gibt es in jeder Beziehung einmal den Punkt, an dem zwei Menschen anderer Meinung sind, jedoch begrenzten sich diese Fälle auf ein Minimum. Hand in Hand schlenderten sie durch die Parkflächen ihrer Stadt und hatten selbst nach sechs Jahren noch angeregten Gesprächsstoff. Er liebte es sie zum Lachen zu bringen. Sie liebte seinen warmherzigen, humorvollen Charakter. Krisen die von ihrer Umwelt an das traute Liebesleben herangebracht wurden, vermochten sie durch die Kraft ihrer Gemeinsamkeit, meißt mühelos zu lösen. So lebte das Paar in den Tag hinein und konnte die kleinsten Augeblicke, wie durch eine rosarote Brille als grossartig erscheinen lassen. Vor dem Einschlafen freute sich der Eine auf das morgendliche Aufwachen neben dem Hüter seines oder ihres Herzens. Er gab ihr die Zuneigung, die sie brauchte und auch sie war imstande diese Zuneigung zu erwidern und manchmal sogar zu überbieten. Oft fuhren sie in fremde Länder und auch dort bereiteten sie sich, nicht anders als in ihrem Alltagsleben, den Himmel auf Erden. Selbst ihr Sexleben war von einer Intensität beseelt, dass er und sie sich ebenfalls zu jedem intimen Moment gänzlich fallen lassen konnten. Gedankengänge waren nicht nur gleichsam, sondern griffen ineinander, so dass jeder den Anderen im Gespräch mit Menschen in ihrer Umgebung mühelos zu ergänzen vermochte. Machte der Eine einen Fehler besass man die Güte und das Wohlwollen, um zu verzeihen.

Harmonie
Wir treffen das Paar in der Nacht des 14. Februars. Er hatte den Ring besorgt und wartete seit einer Woche auf die passende Gelegenheit, um sie zu fragen. Augenblicke um seine Bitte vorzutragen hatte es in dieser Woche zur Genüge gegeben, doch lag ein Stein, ein erdrückendes Erlebins in seiner Vergangenheit.
Damals als sie ihre neue Wohnung eine Woche bewohnten, statte eines Abends ihre Schwester einen unerwarteten Besuch ab. Frauke sah ihrem Zwilling, wie das wohl in den meisten Fällen so ist, zum Verwechseln ähnlich. Beide waren gross gewachsen , hatten ein zartes graziles Gesicht, grosse, firme Brüste und auch sonst eine sehr ansprechende Figur. Einzig trug Frauke die langen Haare immer zum Zopf gebunden, anstatt wie ihre Verwandte das Haar wallend auf die Schultern fallen zu lassen. An jedem Abend sass man zu Dritt bei Rotwein und verschiedenen Fleischspezialitäten bis spät in die Nacht. Es wurde getrunken, gelacht, ja sogar zeitweise ein wenig getanzt. In diesem zuschreitenden Abend bemerkte er, dass seine Freundin etwas über den Durst getrunken hatte. Niemand anderem wäre dies aufgefallen, doch wie eingehend beschrieben, kannten sich die Beiden so gut und verstanden den Partner wie ein offenes Buch zu lesen. So kam es wie es kommen musste und von einem Moment auf den anderen stürmte sie ins Badezimmer und entleerte die flüssige , wie feste Nahrung des Abends in die Toilette. Er fand sie nach zehnminütiger, anfangs vehement geforderter Wartezeit eingeschlafen neben der Toilette liegend. Für ihn war klar, dass er sie ins Bett bringen musste. Er schulterte seine Liebste, legte sie sanft auf dem Bett ab und deckte sie mit der gemeinsamen Decke zu. Noch verweilte er einen Augenblick in Gedanken, wie lieblich und hilflos sie, selbst nach solch einem Vorfall, doch aussehen würde.
Zurück im Wohnzimmer wurde gast und verwandtschaftsfreundlich die nächste Flasche Rotwein aufgezogen und man gab sich einer weiteren endlosen Debatte über die Dinge des Lebens hin. Wie zu vermuten war, kam man sich im Laufe der Gespräche näher und der farbige Alkohol tat sein übriges.
Die Hand des Einen berührte die des Anderen nur für einen kurzen Moment, doch reichte dies um eine Flamme von sexueller Anziehung zu entfachen und man endete schliesslich engumschlungen auf dem Fussboden und kopulierte. Am nächsten Tag wurde über den Vorfall nicht mehr geredet und alles schien wie zuvor. Ein todgeschwiegenes Geheimnis, dass seine Seele seit diesem Tag belastete.

Vor seinem Antrag war es seine Ansicht, dass wenn er seine Frau wirklich lieben würde und den Rest des Lebens mit ihr teilen wolle, so musste er spätestens jetzt reinen Tisch machen. Bereits in der Vergangenheit hatte es die eine oder andere Notlüge, um seinen Fehler zu vertuschen, gegeben und er hasste es sie anlügen zu müssen. So lagen sie dann lagen nebeneinander im Bett und ihr Kopf weilte auf seiner Brust. Er räusperte sich und begann mit der wahrscheinlich schwersten Geschichte seines Lebens. Sie folgte dem ganzen Aufmerksam und als er alles gestanden hatte, antwortete sie ihm, dass dies wohl eine frei erfundene Geschichte sei und wollte wissen was er mit dieser zu bezwecken versuchte. Sie kannte ihre Schwester und noch besser kannte sie ihn. Dies konnte nicht wahr sein, ja es war so unglaublich, dass es niemals der Wahrheit entsprechen konnte. Als er insistierte und sie es endlich glauben wollte, war es ihr unmöglich dies zu begreifen. Sie weinte, lachte, schrie. Beruhigend legte er seine Hand auf ihre Schulter, doch stiess sie diese weg. Unter Tränen setzte er dann an, weshalb ihr diese Geschichte nicht zu ersparen war. Er kramte den Ring unter seinem Bett hervor und reichte ihn ihr. Sie war völlig vor den Kopf gestossen und wusste nicht mehr, an was sie glauben sollte.

Stille
Ein erneuter Versuch sie zu umarmen, wurde mit der gewohnten Zuneigung erwidert. Sie wusste zwar nicht mehr, was in ihrem Kopf vor sich ging, jedoch wusste sie dass sie diesen Menschen immer lieben werde. Sie sagte also ja. Arm in Arm lagen beide dann wortlos da, bis der Schlaf sie übermannte.

Erwachen
Zärtlich und nach dieser aufwühlenden Nacht noch etwas schlaftrunken, streichelte er ihre Wange. Die Wange war kalt. Er streichte ihr über den Kopf und gab ihr einen Kuss, was sie normalerweise, bei ihrem leichten Schlaf immer geweckt hatte. Die Lippen waren kalt.
Erneut beugte er sich über sie und da sah er ihre Augen weit geöffnet, obwohl sie noch zu schlafen schien. Jetzt hörte er es. Nichts. Sie atmete nicht mehr. Er fing erst leicht, dann immer stärker an, ihren Körper zu schütteln. Die Glieder waren starr und sie bewegte sich kaum. So schwer war sie ihm nie erscheinen. Er fühle ihren Puls. Kein Puls. Er strich über ihr Haut. Kalt-unbarmherzige Kälte.
Da begriff er, dass der Mittelpunkt seines Lebens von ihm gegangen war.
Schaum trat aus seinem Mund, Tränen rannen wie Bäche von seinen Wangen, Schreie traten wieder und wieder aus seinem Mund. Wieder und wieder versuchte er dem leblosen Körper eine Regung abzuringen und fand sich anschließend erlöst in einer Art von Nervenzusammenbruch.

An dieser Stelle ist zu sagen, dass eine ärztliche Diagnose am 15. Februar gegen 12 Uhr auf plötzlichen Herztod lautete.

Er kam wieder zu sich. War dies alles nur ein Traum? Er blickte auf das gemeinsame Bett. Da lag sie wieder starr, weiss und kalt. Das konnte nicht wahr sein!
Mit dem Notarzt verbunden war es ihm nicht möglich sich an seinen Strassennamen zu erinnern. Die Helfer trafen zehn Minuten später ein. Der Sachverständige Arzt stellte noch an Ort und Stelle fest, dass die Leichenstarre bereits gegen 3 Uhr früh eingesetzt haben musste. Es war vorbei.
Sie wurde aufgebart und mit dem Notarzt ins Spital gebracht. Im Wagen sah er sich flüchtig um und konnte in einem herumliegenden Spiegel ein seltsames Bild erhaschen. Er ergriff diesem Spiegel und blickte hinein, doch sah nicht sich selbst. Er starrte in das Ebenbild seiner toten Freundin.
Er könnte nicht glauben, was er da sah. Sein Spiegelbild war das seiner Geliebten. Verwundert blickte er auf die Bahre des Krankenwagens. Was er dort vor sich sah, war nicht mit Worten zu beschreiben. Er erblickte seinen eigenen männlichen Körper ausgestreckt vor sich liegen.
Der Körper war regungslos und tot.

Bernadett K verbrachte die nächsten zehn Jahre in geschlossener, psychologischer Betreuung. Sie hatte einen, durch den Nervenzusammenbruch ausgelösten Ausfall des Hypothalamus im Gehirn erlitten. Sie stellte sich vor im Körper eines anderen Menschen zu leben. Von ärztlicher Seite wird angenommen, dass durch die grosse innere Bindung zu ihrem Geliebten, der Verlust dieses Menschen verkraftet werden konnte.
Ihre eigene Persönlichkeit legte sie ab und sieht die Welt nun mit den Augen ihres Verstorbenen.


Mein Leben mit dem Raumschiff

Der gesamte Boden zitterte. Ich blickte auf meine Hände, da ich erst der Meinung war das Beben würde eine Reaktion meines Körpers sein, doch dem war nicht so. Es roch nach etwas Verbranntem, vergleichbar mit dem Geruch, der bei Strassenarbeiten entsteht, wenn der Teer zum späteren Verstreichen erhitzt wird. Ich hörte ein Zischen, Knacken und das Brechen von harten Materialien. Ich befand mich auf dem Balkon meiner kleinen gedrungen wirkenden Wohnung. Vor mir stürzten die ersten Blumentöpfe, welche mit längst verdorrten Pflanzen bestückt waren, zu Boden. Es war völlig dunkel, doch von irgendwoher blitze es hell auf und man konnte die gesamte Peripherie für Sekunden erblicken. Ich blicke auf den Hof , der vier Stockwerke unter mir lag.
Ich hatte Angst, Höhenangst um genau zu sein.


Nachtleben

Ich hatte gerade die Schule mit einem weniger begeisternden Abitur von 2,9 abgeschlossen. Und da stand ich nun. Eine eigene Wohnung hatte ich mir vorgestellt. Es müsste schon etwas Grösseres sein und am Besten in der Nähe der Universität, also in Schwabing. Mein Problem war nur die Finanzierung meines neuen Zuhause. Von Seiten meiner Eltern hätte ich sicherlich Unterstützung bekommen, doch war ich der Meinung, dass ich mit dem Abitur meinen ersten Lebensabschnitt abgeschlossen hatte und somit mein eigenes Geld verdienen musste. Als verhätscheltes Einzelkind hatte ich von Arbeit in der Praxis noch nichts erfahren und so standen die Chancen auf einen vernüftigen Job sehr schlecht. Das Einzige war ich neben meiner Schulzeit vorzuweisen hatte waren diverse Partys im Hause meiner Eltern, wenn ich sturmfrei hatte. Das Vorhaben der eigenen Wohnung war demnach zum Scheitern verurteilt. Leider standen die Dinge noch etwas schlechter, denn ich hatte bereits in meiner Euphorie über das bestandene Abitur den Mietvertrag für eine zwei-zimmer Wohnung im Herzen Schwabings unterzeichnet. Ich brauchte Geld, doch woher?
Ein Freund von mir besass einen Kleiderladen in Schwabing und so dachte ich mir vielleicht dort als Verkäufer anzufangen. Alles kam jedoch ganz anders, da kein Job in seinem Geschäft frei war, er mich aber fragte ob ich jemanden wusste, der für seinen Laden eine Modenschau mit anschliessender Feier organisieren könnte. In meiner misslichen Lage und meinem Hang zur Selbstüberschätzung machte ich ihm klar, dass ich mich auf diesem Gebiet vortrefflich auskennen würde. Ausser meiner kleinen Hausfeiern hatte ich in diesem Punkt keine Ahnung. Da ich diesen Freund noch nicht lange kannte, und er mich dadurch ebenfalls nicht richtig konnte ich ihm einen Hauch von Professionalität vermitteln. Er willigte ein.

Es hatte sich meine einzige Chance aufgetan die erste Monatsrechnung überweisen zu können und so zirkelten meine Gedanken nur noch um diese Feier. Was wusste ich schon von der Gastronomie. Die nächtlichen Ausflüge in Müchens Nobeldisko "P1" hatten mir ausser einem Kater am nächsten Morgen und einem leeren Geldbeutel nicht viel gebracht. Es musste also in Zusammenarbeit von meinen Freunden geschehen. Zuerst rief ich einen angehenden Graphiker an, welchen ich für das Lay-out unserer Einladung auserkoren hatte. Zwar hatte ich lange nichts mehr von mir hören lassen, doch stand er glücklicherweise vor seiner Diplomarbeit und so würde ihm eine Partyeinladung gut zu Gesichte stehen. Ohne einen Pfenning ausgegeben zu haben, hatte ich den ersten kleinen Schritt zur grossen Party getan.
Es sollte noch viel besser kommen.
Am nächsten Tag rief mich ein alter Schulkollege an und lud mich auf seine Geburtstagsfeier in einem gewissen "Atelier 507" ein. Das empfand ich als gelungene Abwechslung von meinen Problemen und ich nahm mir erstmal eine Auszeit um am Abend die Sau rauszulassen. Als ich den Partyraum dieses Künstlerateliers betrat, wusste ich, dass dies die ausgefallene Location für meine Feier werden sollte. Ich war hin und weg. Eine Holzgalerie mit unbeschreiblichem Ausblick über die Dacher der Stadt. Gestützt von Glasscheiben, welche die Werkstatt des Künstlers verschlossen. Viel Acryl, skurrile Lichter (der Künstler nannte sich Illuminator) und eine verwinkelte Tanzfläche. Es war bombastisch. Die Party des Abends war jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Grund war es waren nur eine handvoll Partywütige gekommen um den Geburtstag zu feiern, was mir jedoch nur recht war da niemand vor meiner Party von dieser Feierstette wissen sollte. Ganz klar ich musste offiziell der Erste sein!


Tod durch Flugzeugabsturz

Mir war früh klar, dass diese Reise tödlich enden würde. Es war das Gefühl am Flughafen! Es waren die Leute um mich herum. Die vielen abgeschnittenen Wörter, das Klirren von Gläsern, das Scheppern von Besteck. Jedesmal, wenn ich mich umsah, beschlich mich das Gefühl der Nervosität. Warum war ich der Einzige, der von unserem Schicksal wusste? Ich war nicht paranoid! Ich war mir nur sicher. Die Eingebung kam zwei Stunden bevor ich am Flughafen eintraf und ich fühlte es die ganze Zeit. Die verbleibenden Stunden zu zählen, oder über mein vergangenes Leben nachzudenken, nahm mich nicht ein. Ich reagierte gleichgültig auf die bevorstehenden Geschehnisse, obwohl ich mir im Klaren war, dass alles unmittelbar bevorstand. Der Ausfall des Triebwerks, die gehetzte Stimme des Piloten, die Panik der Insassen. Die nächste Zigarette wurde erhellt. Dunkler Rauch quoll aus meiner Lunge. Ich benahm mich normal, im Bezug auf meine Umgebung. Von aussen betrachtet passte ich mich zweifellos an. Furcht spürte ich nicht. Auch sonstige Gefühle blieben in meiner Brust verschlossen.
Ich war Ihnen vorraus. Sie kamen mir so klein vor. Nach Madrid, nur nach Madrid kommen. Schnell, angenehm, und möglichst ausgeruht. Sie würden nie ankommen. Wie angewiedert war ich von ihren Gefühlsausbrüchen. Sie gleichten einer Horde Tiere, die vor ihrem bevorstehenden Unheil wegzurennen versuchten, doch sie waren unfähig von diesem sinkenden Schiff zu entkommen. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, wissend, dass ich der Einzige war, der bereits mit Allem abgeschlossen hatte. Es war mir egal, wie es enden würde, doch doch wartete ich jeden mOment auf den Ausbruch des Vulkans. Wie absurd sie sich gegen ihren Tod aufzulehnen versuchten. Konnten sie nicht erkennen, wie wnig sie gegen den Lauf der Zeit vermochten? Kein Bedürfnis Ihnen mein Wissen mitzuteilen, denn ich hatte bereits ihre, sowie mein Leben als abgeschlossen betrachtet. Nächste Zigarette. Ich nahm mir vor, die Letzte meiner Marlboros genüsslich zu rauchen, wenn es zu Ende ging. So wie man sich als Raucher immer mehr den Genuss einer Zigarette herbeisehnt und doch gefangen ist in der Sucht, welche dies nicht mehr zulässt. Wieso war ich auf dem Weg nach Madrid? Keine Ahnung. Ich liebte es zu fliegen. Ich wartete immer auf den Moment, wenn die Panik ausbrach. Ich suchte den Kick. Ich wollte die Reaktionen der Menschen erleben, die nie verstehen werden, warum ich so ruhig und gelassen in meinem unbequemen Polsterstuhl sass. Ich liebte Ihre Tränen, Ihr Leid, Ihre Schreie und selbst ihr Erbrechen. Es sollte wie liebliche Klänge an mein Ohr dringen.

Es sollte meine Erfüllung werden. Ich schaffte es eins mit der Meute zu werden. Eins mit dem stählernen Drachen, mit den Wolken, unserem bescheidenen Radius, der Erde. Ich gähnte. Wie üblich hiess es, dass die Maschine verspätet angekommen sei. Maschinen verspäten sich in den seltensten Fällen. Die Fluglinien versuchten händeringen ihr Last-Minute Tickets an den Mann zu bringen. Ausgebuchte Maschinen verspäten sich nicht, halb-leere dagegen immer. Meine Umwelt erkannte nicht, dass das Leben kein Spiel ist, indem man gewinnt, oder meisstens verliert. Das Leben ist die Fiktion aktiv zu sein. Man denkt zu handeln, doch wird durch die Geschehnisse geleitet. Was bleibt? Gefühle. Das Passive. Das Leben erlaubt uns mit dem Herzen auf unsere Umgebung zu reagieren. Nicht Agieren! Was bleibt nach dem Tod? Gefühle. Angehörige und die Umwelt reagieren. Wieviel Reaktion hat dieser Flug ausgelöst? Geschehnisse hat es nicht verändert. Ich hatte nicht nur die Empfindung, dass es zu Ende ist. Ich wusste es. Ich war mir nie so sicher. Alles stimmte. Das Licht am Flughafen. Die Betonträger der Wartehalle, und selbst die Leuchtschrift des Gates nach Madrid. No exit. Nur ich sah es! Sie gingen in die Maschine, als ob sie das Tor zur Welt verliessen. Mit gesenkten Häuptern unter der Last Ihres Gepäcks nach unten gezogen. The same proceedure as every time. Last call for boarding. Ich sass am Fenster, hatte alles im Blick. Ich war begierig auf die Darstellung. Noch waren nicht alle Akteure des Films versammelt. Ola hier, ola da. Hauptsächlich Spanier würden mir den den Gefallen tun Ihre Regungen zu offenbaren. Es freute mich mit Menschen eines Volks, dass mental als leichtlebig galt , unterzugehen.

Oh Gott, Deutsche. Alles nur nicht Deutsche. Mit ihre "ch"-Lauten, Ihrer Körperfülle und ihrer grosskotzigen Art. Ich fühlte mich wohl unter den Spaniern. Meine Schuhe standen fest auf dem Filzboden unter meinem Sitz. Jetzt begann die Anspannung. Den Moment vorauszusehen, um Alles zu erfassen. Nichts durfte meinen Augen entgehen. Jeden Laut, jede äusserung, jede Mimik und Gestik der Darsteller aufzusaugen, war mein erklärtes Ziel. Noch ruhte der Adler. Ungeduldig erwartete ich seinen Aufstieg. War das Abheben schhon der Untergang oder musste ich mich noch länger diesem sinnlosen Menschsein hingeben? Das Licht wurde gedimmt. Noch sechs Zigaretten. Ich zündete Eine an. Es bleiben mir noch fünf. Unsicher, ob ich in der Zeit lag oder vielleicht zu schnell war. Mein Vorhaben sollte gelingen. Das Werk sollte vollkommen sein. Die seichte Musik nervte meine Ohren. Ich wollte Gefühle, ich wollte Entsetzten, ich wollte Alles. Da! Das Flugzeug ruckte und fuhr an.

Los, los bring mich dorthin. Eine starke Bremsung beim Anfahren auf die vorgesehene Landebahn und dann schweben wir. Von meinem Fenster aus, sehe ich die kleinen Lichter der Stadt. Die Tragfläche wackelt, sie wackelt bedenklich. Flug ohne Ankunft. Madrid meine neue Heimat. Das Anschnallzeichen ist erloschen. Ein Meer von Klicks. Kein Internet. Jetzt sind es noch fünf Zigaretten. Ich spare sie und schleppe mich zur Toilette. Immer der gleiche Geruch! Immer dieses eklige, schmutzige Beige. Das Schlimmste an einem Flugzeug ist jedoch die Spülung. Dieses Einsaugen, dies schreckliche Lautstärke. Ich klappe den beigen Klodeckel herunter und gehe in die Hocke. Ich nehme das zusammengefaltete Papier aus der Tasche und streue das bolivianische Marschierpulver auf den beigen Untergrund. Dann benutze ich meine Kreditkarte und kreire zwei Linien. Einsaugen! 1 Gramm genügt. Ich muss in den letzten Minuten aufmerksam sein. Die fünfte Zigarette. Zurück auf meinem Platz bin ich beunruhigt, wann es endlich beginnt. Das Kokain hat meine Geduld erheblich strapaziert. Ich zittere.Meine Muskeln spielen verrückt. Alles um mich herum sieht so ruhig aus. Dann passiert es! Dunkelheit.
Ich sehe die Darsteller nicht mehr. Ich höre nichts. Alles ist schwarz.
Aus! Ich bin entäuscht.


Universität

Ich sass in der siebten Reihe und versuchte alles Erdenkliche in meinem Kopf hervorzukramen. Mein ehemals bester Freund und heutiger Geschäftspartner bekleidete den Stuhl, mit zwei Plätzen Abstand zu mir. Gelernt hatte ich viel, jedoch wie sooft das Falsche. Man konnte es nicht mehr Pech nennen. Irgendetwas in mir sträubte sich immer noch gegen diese Situation. Es sah so aus, als sollte meine Idee aufgehen. Er schreib diese Arbeit für mich , ich sass neben ihm und zeichnete die geamte Situation mit diesen Zeilen auf. Er, der Intellektuelle und Wissbegierige blickte zu mir hinüber und flüsterte nur, dass es sich um eine Normenerlassklage handele. Ich bekam ein leichtes Zittern, einmal wieder als Verlierer das Feld zu verlassen.Meine Nerven lagen blank. Ich hatte ihm unter Druck gesetzt mir diesen Gefallen zu tun. Um 7:30 Uhr hatte ich ihn wachgeklingelt und genötigt diese Universitätsklausur zu absolvieren, obwohl er dazu nicht im Geringsten verpflichtet gewesen wäre- Da ein leises Auflachen meines ehemaligen besten Freundes. Wie war dies zu werten?
Bedeutete dies etwa, dass er diese Klausur mühelos lösen würde? Drückte dies seine Resignation aus?
Ich traute mich nicht zu ihm herüberzulinsen.Ich wollte noch nicht, nicht so schnell, die Gewissheit, dass Ceasar bereits im Sterben lag. Da er schmiss seinen Stift auf sein Papier. Dieser Ton kam mir ungewöhnlich laut vor- Das Ende? Ich versuchte mich zu beruhigen, indem ich mir einredete, dass er, der ohne Zweifel mir an Intelligenz bei Weitem vorraus war, wohl im Gegensatz zu mir , nicht einfach drauflosschrieb, sondern seinen gesamten Gedankenapparat erst die gesamte Klausur entwerfen liess, bevor ja bevor er den auf Papier Stift ansetzte. Jetzt nahm er ein weiteres Gesetzbuch aus seiner Tasche. Ich kann dieses Buch und auch ich hatte es einige Male benutzt.- Es sah gut aus. Ich wusste, dass in dem vor ihm liegenden Buch die allgemeinen Gesetze niedergeschrieben waren. In dem aus seiner Tasche hervorgeholten, waren die speziellen Gesetze zu entnehmen. Er klappte das Buch wieder zu! Wusste er überhaupt, wie er mit meinen ´Nerven spielte. Eine Viertelstunde war seit Klausurbeginn verstrichen. Eine halbe Seite hatten wir und wir schreiben weiter. Ich wagte mir einzureden, dass selbst wenn er eine hundeelende Klausur abgeben würde, es doch zu einer anständiegen Benotung kommen könnte.-Er schüttelte den Kopf und fluchte in sich hinein. Ich glaube er war sauer, dass er mir diesen Gefallen tat. Sooft hatte er in diesem kurzen Leben meinen Bitten zu diesem oder jenem nachgegeben. Er war ein herlicher und gutmütiger Mensch und ich wusste solche Menschen für meine Zwecke zu benutzen. Ich war ihm sehr dankbar für das , was er hier tat, doch hatte ich niemals ein schlechtes Gewissen . War ich solch ein schlechter Mensch? Ein Ausbeuter, Ausnutzer, Antreiber zu falschem Antrieb.
Jetzt hatten wir dreiviertel der ersten Seite hinter uns. Er seufzte. Wieder war ich erschreckt und das Zittern setzte wieder ein. Wie war seine Geste zu werten? Ich glaube er überlegte. Falls er es nicht schaffen könnte diese Klausur zu bewältigen, so dachte ich, dass sie für meine Verhältnisse unmöglich gewesen wäre. War dies alles nur Pech oder musste ich wirklich an meinem Intellekt zweifeln. Er blätterte in den allgemeinen Gesetzen. Bemüht war er, dass wusste ich. – Vielleicht zu dieser frühen Uhrzeit noch nicht ganz wach?- Wenn jemand diese Aufgabe erfüllen konnte, dann er. Ich war es der bereits in frühen Jahren solche Probleme mit der Konzentration hatte. Er schaute zu mir hinüber und flüsterte nur, dass er normalerweise mühelos eine andere Aufgabe bearbeitet hätte, wenn es sich nicht um eine diese bestimmte Klageart gehandelt hätte. Aus! War ich schon wieder in der Flut der Bürokratie ertrunken? Eigentlich hatte ich keine Aufgabe mehr in diesem Hörsaal, doch ich war sicher, wenn ich gehen würde, würde er es auch. Das ginge zu weit! Ich konnte von ihm nicht verlangen, dass ich meine Freizeit genoss und er sich in gewisser Art meinem Studium hingab. Ich vertraute darauf, dass die im Raum Anwesenden sicherlich ebenfalls keine Ahnung von diesem Sachverhalt hatten. Also rechnete ich. Wenn von diesen 100 Studenten, auch nur 30 den Fall lösen konnten, so wäre dieser Klausur mit einer mittelmässigen Arbeit keine grosse Anforderung zum erfolgreichen Bestehen. Es verliess erneut jemand enttäuscht den Saal.

Geht doch alle und wir schreiben ruhig zu ende. Der Versuch würde dann bestimmt belohnt. Ich fühlte mich langsam wieder besser. Das Boot schipperte in den sicheren Hafen. Er hatte die erste beschriebene Seite zerissen, doch das machte mir nichts aus. Wir waren wieder auf dem selben Level. Hier lag nun das Problem. Die Einleitung war generell abzufassen, doch der übergang zum Hauptteil bereitete Schwierigkeiten. Ich wünschte mir, dass er den Füller wieder ansetzten würde. Er war Perfektionist und da lag der Hund begraben. Die Anspannung in mir kam zurück.Ich betete für einen neuen Satz , ja selbst ein Wort würde mir genügen. Hinter mir stand jemand auf. Geht, geht alle! Ich blickte zu meinem Geschäftsfreund hinüber. Seine Augen waren nun zielgerichtet. Er wusste was er jetzt zu tun hatte und er schrieb, oh Gott sei dank er schrieb. Ein kleiner Sieg! Er wisperte wieder, dass er nicht den Hauch einer Ahnung besässe, was er hier auf Papier brachte. Er brauchte meinen Beistand. Jetzt war ich auf einmal gefragt um ihn bei der Stange zu halten, ihn Satz für Satz einem , für mich gutem Ergebnis näherzubringen. In meinen Kopf knarrten die Drahtseile der Nerven. Ich blickte mich um. Es war nicht möglicjh, dass in meiner Periferie jemand war, der das konnte, was mein "Topmann" nicht vermochte. Unmöglich! Ich sah viele lesen, aber nahezu niemanden schreiben. Musste ich ihn mir erneut vornehmen? Der Satz stand in meinem Kopf bereits parat. Er schrieb weiter. Er wollte mir nur einen Gefallen tun, das war klar, jedoch konnte er für sich nicht akzeptieren, falls das Ergebnis, selbst unter meinem Namen, mangelhaft war. Eineinhalb Seiten hatten wir! Mir kam ein sehr schlechter Streifen mit Tom Cruise in der Hauptrolle ins Gedächtnis. Der Schlüsselsatz dieses Films lautete: "Bring mich zum Schotter!"Welch stupider Film, was für eine Zeitverschwendung. Wie würde es wohl aussehen, wenn Tom Cruise hier anstatt mir sässe?- Dumme überlegung-bitte lieber Leser streichen sie den eben gelesenen Satz aus ihrem Gedächtnis- Eine halbe Stunde war vorbei und wir waren immer noch bei eineinhalb Seiten. Die Klausurdauer war auf zwei Stunden festgelegt. Dies bedeutete, dass wir eineinhalb mal vier, also 6 Seiten am Ende abgeben könnten. 6 Seiten waren zwar ein bisschen mager , aber würden durchaus ausrecihen. Da ging wieder jemand aus der Prüfung. Jetzt wolltze auch mein Partner kapitulieren! Vorbei! Ich versuchte ein letztes Mal aufmunternde Worte hinüberzuflüstern und er schreib weiter, doch mir kam die klare Erkenntnis, dass er das Problem nicht lösen konnte. Hoffentlich hatte ich die vorhergehende Klausur bestanden, sonst würde das Zittern bis zur Herausgabe der in zwei Wochen folgenden Klausur anhalten. Ich glaube er hatte verstanden, was ich meinte. Er absolvierte wieder einige Sätze in Tinte. Hatten meine Worte etwa gegriffen? Gerumpel vor uns, ausgelöst durch das zusammenpacken der Gesetzbücher eines blonden Mädchens. Ich begann die Angabe der Klausur zum ersten Mal zu lesen. – Bahnhof oder wie ich zwischen den Zeilen um Verstandnis rang. Ich zählte erneut die verbliebenen Personen. Siebzehn Reihen gab es auf jeder Seite des Saals. Auf der Stirnseite sassen in jeder Bank durchschnittlich drei Personen, also insgesamt einundfünfzig. Auf unserer Seite bekleideten im Durchschnitt vier Personen eine Bank, also achtundsechzig. Dies machte zusammen hundertneunzehn. Wenn man sich den Saal so anschaute , kam einem diese Zahl viel zu hoch vor. Im Audimax waren etwa "gefühlte" sechzig Personen, mehr doch nicht!
Die Uhr schlug neun und er gab auf. Ich blickte auf die vor ihm liegenden Seiten. In den vergangenen Minuten hatte er meine Abwesenheit genutzt um weiter sechs Seiten zu schreiben. Der Sieg?
Mit versteinerter Miene erklärte er mir, dass er niemals mehr als ein ungenügend werden könnte und schloss die Frage an, ob mir das etwas helfen würde. Nein, nein , nein! Carthago war zerstört. Er gab trotzden ab. In einem Monat würde die Arbeit zurückgegeben. Strapazen für die Nerven. Er war gegangen und ich sass allein in meiner Bank.
---Das Ergebnis der Klausur war..........................-------